Verstößt ein betrunkener Beifahrer gegen geltendes Verkehrsrecht?

Autofahrer, die beschließen, ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu führen, obwohl sie im Vorfeld Alkohol getrunken haben, treiben das Unfallrisiko unweigerlich in die Höhe. Schließlich sorgt der Alkoholkonsum dafür, dass sowohl das Seh- als auch das Hörvermögen beeinträchtigt ist und Entfernungen schlichtweg nicht mehr richtig eingeschätzt werden können. Kein Wunder also, dass alkoholisierte Fahrer mit Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog rechnen müssen.

Machen Sie sich als betrunkener Beifahrer strafbar?
Machen Sie sich als betrunkener Beifahrer strafbar?

Doch wie verhält sich das Ganze, wenn der Beifahrer zwar betrunken, der Fahrer allerdings nüchtern ist? Schließlich ist es eine weit verbreitete Annahme, dass Personen, die etwas zu tief ins Glas geschaut haben, während einer Autofahrt nicht vorne sitzen sollten. Aber bedeutet dies automatisch, dass sich ein betrunkener Beifahrer strafbar macht? Im Ratgeber erfahren Sie es.

Betrunken als Beifahrer: Kommt eine Strafe auf Sie zu?

Grundsätzlich muss ein betrunkener Beifahrer keine Strafe befürchten. Schließlich steuert nicht er das Kfz durch den Verkehr, weshalb er sich auch nicht an die in Deutschland geltende Promillegrenze von 0,5 Promille halten muss. Dementsprechend ist es zwar nicht verboten, als betrunkener Beifahrer vorne zu sitzen, empfehlenswert ist es allerdings auch nicht.

Je nachdem, in welchem Zustand sich der alkoholisierte Beifahrer befindet, könnte sein Verhalten einen Verkehrsunfall begünstigen. Ist ihm beispielsweise die Feierei zu Kopf gestiegen, er zappelt also nonstop hin und her und greift dem Fahrer dabei sogar ins Lenkrad, kann es schnell zum Unfall kommen. In diesem Fall können sehr wohl strafrechtliche Konsequenzen auf den betroffenen Beifahrer zukommen, da er die Autofahrt aktiv beeinflusst hat.

Ein derart betrunkener Beifahrer sollte also lieber auf der Rückbank Platz nehmen, um sicherzugehen. Personen, die nur wenig getrunken haben oder auf dem Weg zum Fahrzeug schon halb wegdösen, können Sie als Kraftfahrer jedoch im Normalfall unbesorgt vorne sitzen lassen, da von ihnen keine Gefahr ausgeht.

Vorsicht als betrunkener Beifahrer beim Führerschein ab 17!

Normalerweise macht es keinen Unterschied, ob ein betrunkener Beifahrer in der Probezeit ist oder nicht.
Normalerweise macht es keinen Unterschied, ob ein betrunkener Beifahrer in der Probezeit ist oder nicht.
Bereits im Jahr 2011 wurde das Modell „Begleitetes Fahren“ in ganz Deutschland eingeführt. Wie der Name schon sagt, ist es Fahranfängern hierbei erlaubt, bereits mit 17 Jahren einen Pkw im Straßenverkehr zu steuern – allerdings in Begleitung einer vorher festgesetzten Person, die ihnen beratend zur Seite stehen soll.

Diese muss diverse Voraussetzungen erfüllen, die in § 48a der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) festgehalten sind. Dazu zählt beispielsweise ein Mindestalter von 30 Jahren.

Außerdem darf die betroffene Person nicht mehr als einen Punkt im Fahreignungsregister (FAER) in Flensburg haben. Weiterhin schließt es der Gesetzgeber aus, dass ein betrunkener Beifahrer als Begleitperson beim Führerschein ab 17 fungiert. In § 48a Absatz 6 FeV heißt es dazu:

Die begleitende Person darf den Inhaber einer Prüfungsbescheinigung […] nicht begleiten, wenn sie […] 0,25 mg/l oder mehr Alkohol in der Atemluft oder 0,5 Promille oder mehr Alkohol im Blut oder eine Alkoholmenge im Körper hat, die zu einer solchen Atem- oder Blutalkoholkonzentration führt […]“

Wichtig: Möchten Sie als Begleitperson beim Führerschein ab 17 agieren, müssen Sie sich – auch als Beifahrer! – an eine Alkoholgrenze von 0,5 Promille halten. Verstoßen Sie dagegen, drohen Ihnen jedoch nicht die Sanktionen, die der Bußgeldkatalog bei einer Alkoholfahrt vorsieht. Schließlich sind Sie als betrunkener Beifahrer nicht selbst gefahren.

Vielmehr muss der betroffene Fahranfänger unter Ihrem Fehverhalten leiden, denn: Können Sie Ihrer eigentlichen Aufgabe nicht mehr nachkommen, weil Sie zu berauscht sind, hat das die gleichen Auswirkungen, als wäre er ohne Begleitperson unterwegs gewesen. Dies bedeutet: Ein Bußgeld in Höhe von 70 Euro sowie ein Punkt in Flensburg erwarten ihn. Außerdem wird seine Fahrerlaubnis widerrufen.
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